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Antibiotika bei InfektionskrankheitenFür die einen ist es fast eine Selbstverständlichkeit, das Rezept für Antibiotika. Für die anderen ist es etwas, das sie unter keinen Umständen zu sich nehmen wollen - Antibiotika. Pauschalurteile sind hier wenig hilfreich. Was sind eigentlich Antibiotika und wie unterscheiden sich die einzelnen Stoffgruppen? Wann sind Antibiotika sinnvoll und welche Gefahren bergen sie?

Was sind eigentlich Antibiotika und wie unterscheiden sich die einzelnen Stoffgruppen?

Das Wort Antibiotika bedeutet soviel wie „Mittel gegen Lebendiges“, was nicht unbedingt positiv klingt. Doch wenn man bedenkt, dass mit Lebendigem die Kleinstlebewesen gemeint sind, die den Menschen schaden, also die Infektionserreger, dann bekommt der Begriff eine andere Dimension. Penicillin, das erste Antibiotikum, wurde bei der Anzucht von Schimmelpilzen entdeckt und später aus diesen Schimmelpilzen gewonnen (vgl. Foto: Schimmelpilze). Die Substanz ist ein natürlicher Stoff, der den Pilzen dabei hilft, sich gegen gefährliche Bakterien zu schützen. Auch im menschlichen Körper wirkt Penicillin gegen gefährliche Bakterien.

Bakterien sind nicht gleich Bakterien, manche nützen dem Menschen, beispielsweise bestimmte Darmbakterien, die bei der Verdauung helfen; andere können Menschen töten (z.B. Botulismus Bakterien bilden ein hochgefährliches Gift). Bakterien sind nicht nur nützlich oder schädlich, sondern haben sehr unterschiedlichen Aufbau. Und so wie man beim Abriss eines Hauses einen Stahlträger auf eine andere Weise zerlegt als eine Mauer, so benötigt man auch unterschiedliche Werkzeuge (Antibiotika) zur Bekämpfung der verschiedenen Bakterien. Natürlich kann man mit einer Abrissbirne auch unterschiedliche Bauteile gemeinsam niederreißen. Um Antibiotika sinnvoll einzusetzen, sollte man aber möglichst wissen, welches Bakterium man vor sich hat. Manche Bakterien lassen sich anhand der Symptome des Kranken erkennen, bei anderen sind Laboruntersuchungen nötig. Wenn man weiß, um welches Bakterium es sich handelt, kann man noch testen, ob das Antibiotikum wirklich gut greift, das ungewünschte Bakterium also tötet, und dann ganz gezielt behandeln. Das wäre der Idealfall.

Die Realität sieht anders aus. Tests dauern oft noch zu lange und der Patient muss ja behandelt werden. Also kann der Arzt ein Antibiotikum auswählen, das er für passend hält oder er verschreibt ein Mittel, das möglichst viele Bakterien bekämpfen kann, vergleichbar der „Abrissbirne“. Ein solches Antibiotikum nennt man Breitbandantibiotikum, Doxycyclin zählt beispielsweise dazu.
Ganz grob gesagt gibt es also einerseits Antibiotika, die gezielt wirken, und andererseits auf breiter Front wirkende Breitspektrumantibiotika. Zusätzlich gibt es Reserveantibiotika, die nur selten verwendet werden sollten, wenn anderes nicht mehr anspricht. Werden sie zu oft benutzt, kann es nämlich passieren, dass auch sie ihre Wirkung verlieren.

Wann sind Antibiotika sinnvoll und welche Gefahren bergen sie?

Immer dann, wenn gefährliche bakterielle Infektionen drohen oder aufgetreten sind, wenn z.B. eine Lungen-, Mandel- oder Nierenbeckenentzündung festgestellt wird, auch rund um Operationen und schwere Verletzungen sind auf jeden Fall Antibiotika nötig. Leider werden auch immer wieder Antibiotika eingesetzt, wenn sie nicht nötig sind oder gar nicht wirken. Wenn also Bakterium und Antibiotikum gar nicht zusammenpassen oder aber wenn gar keine Bakterien die Krankheit verursachen, sondern Viren. Viren sind nämlich völlig anders aufgebaut als Bakterien und sprechen überhaupt nicht auf Antibiotika an. Die meisten der üblichen Erkältungskrankheiten werden durch Viren ausgelöst, Antibiotika bringen also nichts. Trotzdem werden hier oft Antibiotika eingenommen, meist aus der Befürchtung heraus, dass eine zusätzliche bakterielle Infektion auftreten könnte, was tatsächlich öfter vorkommt. Hier heißt es genau klären, ob man nicht auf Antibiotika verzichten kann, zumal das körpereigene Abwehrsystem Bakterien auch selber bekämpft.

Es macht nun vielleicht den Eindruck, als wären Antibiotika mit so starken Nebenwirkungen behaftet, dass man sie mit größter Vorsicht einsetzen sollte. Tatsächlich gibt es Nebenwirkungen, wie bei allen wirksamen Inhaltsstoffen von Medikamenten. So schaden viele Antibiotika der natürlichen Darmflora, die nach einer Behandlung wieder aufgefrischt werden sollte. Oft sind die Nebenwirkungen aber gar nicht so gravierend. Eine andere Gefahr ist viel bedeutsamer, die Resistenzbildung. Bakterien können sich so verändern, dass sie unangreifbar durch bestimmte Antibiotika werden. Dies kann insbesondere dann passieren, wenn man die Antibiotikabehandlung vorzeitig abbricht. Also: wer beginnt, Antibiotika einzunehmen, sollte die Behandlung auf jeden Fall bis zum vorgeschriebenen Ende durchziehen. Auch in Krankenhäusern, wo viele Infektionserreger und viele Antibiotika unterwegs sind, treten leicht Resistenzen auf. Daher kommt es gar nicht so selten vor, dass sich Patienten im Krankenhaus mit schwer bekämpfbaren Bakterien infizieren. Trotz immer wieder neuer Ansätze lässt sich das Problem bislang nicht zufriedenstellend lösen. Es entstehen „Krankenhauskeime“, das sind „multiresistente“ Bakterienstämme die gegen viele Antibiotika resistent geworden sind und auch nicht mehr mit Reserveantibiotika behandelt werden können.

Fazit

Antibiotika haben vielen früher tödlichen Krankheiten ihren Schrecken genommen, sind oft lebensrettend und dienen als scharfe Waffe gegen gefährliche bakterielle Infektionserreger. Der ungezielte und unnötige Einsatz von Antibiotika z.B. bei grippeähnlichen Erkrankungen und die unregelmäßige Einnahme fördern Resistenzen, die dazu führen, dass die scharfe Waffe nicht mehr wirkt, was fatale Folgen haben kann.

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