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Selbstverletzendes VerhaltenIst unter Jugendlichen selbstverletzendes Verhalten eine Modeerscheinung? Lange Ärmel im Hochsommer, Erzählungen über die Katze, die mal wieder gekratzt hat, das können Hinweise darauf sein, dass jemand sich selbst verletzt. Oft wird von „Ritzen“ gesprochen und tatsächlich verletzen sich viele Jugendliche mit Rasierklingen, doch es gibt auch andere Formen des selbstverletzenden Verhaltens, zum Beispiel fügen sich die Betreffenden selber Brandwunden zu.

Man spricht von selbstverletzenden Verhalten (SSV), wenn Körpergewebe bewusst und freiwillig zerstört wird und der Vorgang sozial nicht akzeptiert ist. Eine Tätowierung ist also keine Selbstverletzung, denn ihr Ziel ist nicht die Zerstörung von Gewebe und das Ganze ist sozial anerkannt. Meist verletzen sich die Jugendlichen nicht, um sich das Leben zu nehmen, daher handelt es sich in den häufigsten Fällen um nicht suizidales selbstverletzendes Verhalten (kurz NSSV).

Wie häufig, bei wem und warum kommt es zu selbstverletzenden Verhalten?

Man kann davon ausgehen, dass sich jeder dritte bis jeder vierte der heutigen Jugendlichen irgendwann in seinem Leben einmal absichtlich selbst verletzt oder verletzen wird. Bei Mädchen kommt das Verhalten, relativ gesehen, häufiger vor. In der Allgemeinbevölkerung verletzen sich nur etwa 3% irgendwann einmal im Leben selber. Hat dieses Verhalten also zugenommen? Darüber streiten sich die Geister. Einige sagen, man würde heute stärker darauf achten; andere glauben, dass es tatsächlich häufiger vorkommt und dass dies mit unserer heutigen komplexen Welt zusammen hängt, in der bei vielen Menschen emotionale Anspannung herrscht.

Warum aber verletzen sich Menschen selber, was bringt es ihnen außer Schmerz und Narben? Diese Frage stellt sich wohl jeder, der erstmals mit diesem Verhalten konfrontiert wird. Die Allermeisten, nämlich mehr als ¾ der Betroffenen berichten darüber, dass ein schlechtes Gefühl verschwindet, wenn sie sich selbst verletzt haben, wobei dieser Effekt allerdings nur etwa eine Stunde andauert. Also könnte man sagen, dass das SVV zur Regulierung von Emotionen dient. Hier sieht man schon einen Ansatzpunkt: wer lernt oder bereits gelernt hat, seine Gefühle auf andere Weise zu regulieren, wird weniger gefährdet sein. Nebenbei bemerkt gibt es auch Fälle, in denen die Selbstverletzung als eine Art „Kick“ betrachtet wird, die Jugendlichen fühlen sich „anders“, man könnte es mit einer Drogenwirkung vergleichen. Andere wollen Aufmerksamkeit erwecken oder ihnen unangenehme Dinge (z.B. Sportunterricht) vermeiden.

Wie erkennt man SVV und was kann man tun?

Neben den Erzählungen von der Katze und der unpassenden Kleidung gibt es andere Warnzeichen, die auf Selbstverletzung hindeuten. Findet man Texte oder Bilder zu dem Thema bei den Jugendlichen, hält sich jemand oft und lange auf der Toilette auf oder schließt sich ins Zimmer ein, könnte dies ein Hinweis sein. Besteht zudem eine Neigung zu sozialem Rückzug oder entdeckt man scharfe Gegenstände, besonders Rasierklingen, dann sollten die Warnlampen aufleuchten. Was auch zu beachten ist: Wenn Jugendliche unter Mobbing oder Cybermobbing zu leiden haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich selbst verletzen, wesentlich höher als wenn sie sozial gut eingebunden sind.

Sollte im näheren Umfeld der Jugendlichen SVV vorkommen, so erhöht auch dies das Risiko. Man hat festgestellt, dass das selbstverletzende Verhalten ansteckend wirkt, dass also Jugendliche, die vorher gar nicht auf diesen Gedanken gekommen sind, dieses Verhalten dann auch ausprobieren. Die „Ansteckung“ kann nicht nur durch unmittelbaren Kontakt, sondern oft auch über soziale Medien erfolgen.

Was also tun, wenn man mehr oder weniger sichere Anzeichen für SVV beobachtet? Es ist nicht einfach, doch am Anfang sollte das Verständnis stehen, dass SVV einfach ein möglicher Weg ist, um mit seelischem Schmerz umzugehen. Wer das wirklich verinnerlicht hat, wird in der Lage sein, den oder die Betreffende als Person zu akzeptieren und zuzuhören ohne zu (ver)urteilen. Man schafft es dann hoffentlich auch, dabei ruhig zu bleiben und Zuneigung zu zeigen, unabhängig von dem Verhalten, das man ablehnt. Was die Sache eher verschlimmert, sind hektische Aktionen, Drohungen, ein Ultimatum („bis dahin muss damit Schluss sein“) oder das ständige Thematisieren von SVV. Fast übermenschlich, was man da leisten soll, vor allem, wenn einem der oder die Jugendliche sehr nahe steht.

Psychologische Beratungsstellen, eventuell Anlaufstellen in Schulen (Sozialarbeiter, Psychologen) können unterstützen und weitervermitteln und es gibt inzwischen erfolgreiche Therapien, beispielsweise die DBT (dialektisch behaviorale Therapie), die einzeln und in Gruppen durchgeführt werden können. Wie bei jeder Krankheit oder psychischen Störung gilt aber: Wegsehen hilft nicht, je früher man die Jugendlichen davon überzeugen kann, etwas zu tun bzw. sich helfen zu lassen, desto leichter stellt sich ein Erfolg ein.

Und ist es nun eine Modeerscheinung? Eher nicht. Selbstverletzendes Verhalten ist auch keine Schande, sondern ein, leider ungesunder, Weg zur Regulation sehr starker Gefühle, der heute häufig begangen wird. Diesen Weg als Modeerscheinung zu bezeichnen, greift zu kurz. Eher stellt SVV einen Warnhinweis darauf dar, dass in unserer heutigen Welt andersartige Probleme vorherrschen als in früheren Zeiten und dass es nötig ist, darauf zu reagieren.

 

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