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Krebs - Geißel der Menschheit

Von einem Moment auf den anderen kann sich Ihr Leben verändern. Lesen Sie einen persönlichen Erfahrungsbericht - informativ, bewegend, einfühlsam und nüchtern zugleich. Eine Geschichte von der Diagnose bis zum aktuellen Abschluss der Therapie. Was passiert, wenn die Diagnose Tumor im Darm oder Darmkrebs lautet? Wie sind die zu erwartenden Abläufe? Welche Entscheidungen sind zu treffen?

 

Allgemeine Hinweise des Autors zu diesem Artikel:

(1) Der Inhalt  ist auf einen individuellen Fall bezogen und kann nur bedingt verallgemeinert werden.

(2) Die Beschreibung dient in erster Linie dazu, den Verlauf einer Krebskrankheit in den technischen Abhängigkeiten darzustellen und dem u. U. betroffenen Leser den Verlauf zu erläutern um Vorurteile oder Sorgen abzubauen.

(3) Es gilt zu beachten, für Ärzte und Pflegepersonal sind die Abläufe Routine - mitunter auch grauer Alltag. Der Patient dagegen befindet sich in einer extremen Ausnahmesituation, die er nur bedingt steuern kann. Dies kann ihn zu Fehlinterpretationen und zu falschen Schlüssen verführen.

 

Wie es begann

Ende Februar 2016 hole ich nach mehrmaligem Mahnen von Hausarzt, Ehefrau und Töchter  die Teststreifen zur Prüfung auf verstecktes - der Arzt sagt okkultes -  Blut im Darm beim Hausarzt. Es ist die übliche Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs. Die ausführlich beschriebene Vorgehensweise der Teststreifen befolge ich mit einer Mischung aus Neugier, Widerwillen und Gleichgültigkeit und gebe die Teststreifen am Morgen darauf in der Praxis ab.

Erkennen der Notwendigkeit

Abends schon kommt der Anruf, dass einer der Streifen positiv sei, und die dringende Empfehlung sich einer Darmspiegelung - der Arzt nennt es Koloskopie - zu unterziehen. Die Überweisung an den Gastroenterologen, der dies vornimmt, ist schon auf der Post. Zwei Tage danach gehe ich zu einem Klinikum mit der Bitte um einen Termin für eine Darmspiegelung. Es hat den Vorteil, dass Gastroenterologie, Röntgen, Chirurgie und Onkologie in einem Haus sind und die Ärzte sich untereinander gut und schnell abstimmen. Die Praxis ist voll ausgelastet, die Wartezeit beträgt etwa 4 Wochen.

Durchführung der Darmspiegelung

Das erforderliche Vorgespräch für die Darmspiegelung liegt drei Tage vor der Koloskopie. Vor dem Vorgespräch sind die Karte der Krankenkasse und der Überweisungsschein abzugeben. Dann ist ein Bogen auszufüllen, indem etwaige Vorerkrankungen aufzulisten sind, es folgt ein Gespräch mit einem Arzt, in welchem der weitere Ablauf dargestellt und über die Risiken gesprochen wird. Es wird auch darauf verwiesen, dass im Eventualfall Gewebeproben entnommen werden. Auch die Möglichkeit eines Schlafmittels während der Koloskopie wird erwähnt. Ich bitte für den für mich etwas peinlichen Vorgang um ein Schlafmittel, was gang und gäbe ist und der Arzt mit Ruhe kommentiert, dass ihm das ohnehin lieber sei. Es fällt der Name Propofol, bekannt durch Michael Jackson. Nun erhalte ich einen Karton mit zwei Packungen Abführmittel und eine Anweisung für das Essverhalten in den zwei Tagen vor der Koloskopie.
Vereinfacht sieht die Vorgehensweise dabei so aus: zwei Tage vorher sanftes Fasten, ein Tag zuvor härteres Fasten. Am Abend vorher um 18 Uhr die erste Packung des Abführmittels. Die Zubereitung ist nicht ganz einfach, wir benötigen eine Glasschüssel, die mehr als ein Liter fasst und in der die beiden Beutel gemischt werden können ohne dass es überschwappt. Jetzt wird mit einem Suppenschöpfer die klare Flüssigkeit in ein Glas gefüllt. Der Rest - gut 2/3 - kommt weisungsgemäß in den Kühlschrank und wird abgedeckt, damit das gute Aroma nicht verraucht. Der Rest ist bis zum Ablauf der zweiten Stunde zu trinken. Es ist eine Art Glaubersalz mit Orangengeschmack, ein eigenwilliges Gebräu, sieht klar aus, wirkt aber zum Teil geleeartig und schmeckt zum Davonlaufen. Die Mixtur besteht aus einem Liter Flüssigkeit und soll in max. 2 Stunden getrunken werden. Es kostet schon etwas Überwindung, auch wegen des Nachgeschmacks. In der Anleitung steht, dass man Wasser dazu trinken darf, das mindert aber nicht den Nachgeschmack. Über den  Beginn der Wirkung und deren Dauer ist in dem Beipackzettel nichts zu finden, also warten. Gegen 21 Uhr setzt der Erfolg ein und dauert bis kurz vor Mitternacht. Die zweite Packung nehme ich auf Grund der Erfahrung mit den zeitlichen Abständen am Morgen vor der Koloskopie um 6 Uhr und trinke das Zeug in einer sehr kurzen Folge, da ich bis 14 Uhr in der Klinik sein muss. Ab etwa ½ 11 herrschen im Darm normale Verhältnisse. Ein anderer Nebeneffekt dieser Darmreinigung ist der Prozess des wieder Aufrüstens der Darmflora, hierüber gibt es keine Aussage.
Zur vorgeschriebenen Zeit melde ich mich bei den Schwestern im Empfang - die mich mit einem leichten Lächeln befragt, ob ich das Abführmittel genommen habe. Ich komme in ein kleines Zimmer erhalte eine Papierunterhose, lege  mich hin, es wird Blut abgezapft, dann die Spritze für das Propofol vorbereitet, in die Nase kommt ein Stecker für Sauerstoff und auf der Brust werden zwei Elektroden aufgeklebt und angeschlossen. Es folgen Blutdruckmessung und, fast unbemerkt, Abzapfen des Bluts. Am Fußende steht ein großer Bildschirm auf dem der Blutdruck angezeigt wird. Die Sprechstundenhilfe sagt mir, dass der Arzt mit mir noch sprechen werde. Der kommt herein, sagt den Namen schüttelt mir die Hand, sagt ich solle mein linkes Bein etwas anziehen, mehr bekomme ich nicht mehr mit.
Als ich aufwache werde ich zwischen zwei Vorhänge geschoben, der Korb mit meinen Kleidern liegt neben mir. Ich versuche mich aufzurichten, bin zwar noch etwas dasig, aber es geht, ich ziehe mich also an. Man fragt mich, ob ich etwas zu trinken wünsche. Ich lehne ab, mir geht es gut und ich gehe in den Wartebereich, wo ich schon von meiner Frau erwartet werde. Nach etwa einer halben Stunde kommt der Doktor, was nachvollziehbar ist und nicht weiter stört, da er sich die Ergebnisse erst anschauen muss.   

Erhärten des Befunds

Nun werden wir in das Sprechzimmer gerufen, über das eigentliche Ergebnis der Koloskopie wird kaum gesprochen, der Arzt sagt nur, dass ein Tumor vorhanden ist und davon Gewebeproben entnommen wurden, deren Material noch genauer zu untersuchen ist. Zur intensiveren Abklärung wird eine Computertomographie (CT), empfohlen, der ich zustimme und die sofort für den nächsten Tag veranlasst wird.

Die Computertomographie

Ich bin dafür auf 10 Uhr bestellt. Die beiden Praxen (Gastroenterologie und Röntgen) sind ausgezeichnet durchgetaktet. Die Vorbereitung der CT ist umfangreich. Man erhält drei Plastikbecher, alle in gleicher Art, weiß durchscheinend und ohne weitere Markierung, etwa 15 cm hoch und zu dreiviertel mit einer wasserklaren Flüssigkeit - dem Kontrastmittel - gefüllt. Die Helferin sagt, der Inhalt des ersten Bechers - den sie separat trug - solle man sofort vollständig austrinken, die beiden anderen nach der Maßgabe des beigelegten Zettels. Auf jenem steht, es sei im Zeitraum einer Stunde alle fünf Minuten einen Schluck zu nehmen. Außerdem der Hinweis bei zu schneller Einnahme müsse die Sache wiederholt werden. Es gilt also die beiden Becher in 12 Abständen gleichmäßig zu trinken und zu leeren. Die Stunde geht im Flug vorbei, das Lesen der Zeitung lässt kaum Langeweile aufkommen, nur das ständige Schauen auf die Uhr wegen der 5 minütigen Abstände ist nervig. Kaum ist der letzte Becher geleert, kommt die Sprechstundenhilfe führt mich in einen kleinen Raum. Ich muss den Oberkörper freimachen, sonst nichts. Die Röhre ist hier ein etwa Halbmeter breiter Ring, der noch dazu annähernd lautlos arbeitet. Ich lege mich auf die Bahre und bekomme in den linken Arm ein weiteres Kontrastmittel eingeflößt. Nun geht’s los, der Ring schiebt sich etwas hin und her, eine Frauenstimme gibt mir über ein Mikrofon Anweisung auszuatmen und die Luft anzuhalten, das geht etwa drei Mal so, dann ist die Sache zu Ende.
Bis zum Gespräch über das Ergebnis dauert es etwa eine Stunde. Das Ergebnis ist: Die Diagnose Tumor hat sich erhärtet, Darmkrebs oder Polypen liegen nicht vor. Ausschlaggebend ist, das Bild des Tumors, welches der Arzt sieht, ist zweidimensional, die Ausdehnung in die dritte Ebene muss der Arzt nach seiner Erfahrung schätzen. Das weitere Vorgehen soll nach dem Vorliegen des „histologischen“ Befunds festgelegt werden. Unabhängig davon, eine Operation ist erforderlich, je früher desto besser um der Gefahr eines Darmverschlusses vorzubeugen. Hierzu wird mit dem Chirurg der Klinik ein Termin vereinbart, bei dem man den Chirurgen kennen lernen soll und über die Operation sprechen kann.

Die Operation

Am Montag sind wir pünktlich in der Chirurgie und führen ein Gespräch mit dem Chirurgen und seiner Assistentin. Vereinfacht stellt es sich so dar, dass am Übergang vom Dickdarm in den Dünndarm ein Geschwulst - der Tumor - sitzt, welches im schlimmsten Fall einen Darmverschluss verursachen kann. Die Lösung klingt einfach, ein kleiner Teil des Darms mit dem Geschwulst wird abgeschnitten und der Rest mit dem übrigen Darm verbunden. Ein Problem stellt die geringe Menge Blut in meine Körper dar, da bei der OP viel verloren gehen wird, erhalte ich am Tag zuvor eine Transfusion.

Vorbereitung der OP

Am Abend vor der OP muss ich mich zur Bluttransfusion einfinden. Bei der Anmeldung gibt es zuerst die allgemeinen Vertragsbedingungen der Klinik, die Karte der Zusatzversicherung wird am Computer durchgezogen, eine Karte zur Benutzung des Telefons wird ausgehändigt.

Der Hämoglobin Wert (HB Wert)  vor der Bluttransfusion beträgt 7,4 danach dann 7,9. Ich kann mit beiden Werten nichts anfangen. Jedoch glaube ich mich zu erinnern gehört zu haben, dass durch den Tumor ständig Blut verloren geht. Im Zimmer wird mir zuerst Blut abgenommen um die Blutgruppe zu bestimmen, dann muss ich warten bis die entsprechenden Konserven da sind. Es wird eine Nadel gesetzt, in welche die erste Konserve nach akribischer Prüfung des Inhalts durch den Arzt eingeträufelt wird. Der Beutel hängt weit oben, es tropft gemächlich und dauert etwa eine 1 ½ Stunden. Da der Dienst des Arztes in dem Zeitraum endet, kommt ein anderer Doktor, der vor dem Einhängen des nächsten Beutels diesen erneut penibel prüft.

Es erfolgt eine Aufklärung durch die Anästhesistin über Funktion und Lage des Schmerzkatheders, wegen der Gefahren beim Setzen zwischen zwei Wirbel. Ich habe bei „Einverständnis“ zu unterschreiben und tue es auch. Die Nachtschwester deutet an, dass die Anästhesistin empfohlen habe, mir ein Schlafmittel zu geben, ich lehne ab und lese bis 11 Uhr in der Nacht vor der OP.

Die Operation

Wartend liege ich morgens in meinem Zimmer. In den OP Saal abgeholt - nach dem Anruf durch den Chirurgen - werde ich gegen 10 Uhr 15. Die Schwester gibt mir eine stark wirkende Schlaftablette und ich dämmere schnell hinüber, meine Frau ist neben mir. Die Schwester fährt mich in meinem Bett in den OP-Raum, dort erkenne ich zwei Personen, die irgendetwas von Schmerzkatheder faseln, kann aber nicht mehr mit ihnen reden und dann bin ich weg. Ich erwache erst wieder im Zimmer der Intensivstation, wo ich geraume Zeit über den Ort grüble.
Mir wird bewusst, ich habe nun einen Schmerzkatheder auf dem Rücken, einen Blasenkatheder sowie eine Drainage der Wunde mit durchsichtigem Plastiksack und Steckverbindung. Sie besteht aus zwei konischen, beweglichen und durchsichtigen Plastikröhren. Eine davon führt in meinen Bauch und ist dort fest verklebt, die andere ist mit einem geclipsten Stecker mit dem Beutel verbunden. Dieser Schlauch ist relativ lang, damit man zumindest spazieren gehen kann. Apropos aufstehen und spazieren gehen, das schafft Probleme. Ich bin mit Elektroden auf der Brust mit einem Gerät verbunden, das hinter mir hängt, damit wird die Herzfrequenz und anderes mehr aufgezeichnet. Will ich gehen, muss ich abgehängt werden. Dabei ertönt ein Signalton. Ansonsten sind noch die zwei Katheder zu beachten. Will ich aufstehen, habe ich nach dem Pfleger bzw. der Pflegerin zu klingeln.
Am Tag darauf teilt mir der Chirurg den Befund in Stichpunkten mit. Gut ist, der Tumor hat nicht in den Dünndarm ausgestrahlt, schlecht ist, von den Lymphknoten, die mit entfernt wurden sind einige verdächtig (eventuell Krebs) und eine Chemotherapie ist notwendig.

Nach der OP

In den Tagen nach der Intensivstation bin ich wieder im normalen Zimmer, der normale Alltag besteht aus Blut zapfen, Messen der Temperatur usw.. Die Visite ist - bis auf Sonntag - pünktlich um ¾ 8. Das bedeutet um 6 Uhr duschen, rasieren, Zähne putzen, immer noch etwas gehandicapt, einmal wegen der Narbe, der ich unberechtigter Weise nicht traue, dann bin ich noch etwas wackelig, unbegründet - aber trotzdem. Das Frühstück - wird ausgewählt mit einem Vordruck am Tag zuvor - erwähne ich deshalb, weil auf dem Tablett eine Plastikbox für Tabletten liegt, beschriftet mit Morgen, Mittag und Abend. Bei mir liegen im Morgenabteil je eine Tablette gegen Blutarmut und Schmerzen, diese schiebe ich beiseite, nicht aus heroischen Gefühlen heraus, sondern weil ich einfach keine Schmerzen habe, sieht man bei direkter Berührung der Narbe ab, was ja normal ist. An vernünftiges Waschen ist in dem Intensivraum nicht zu denken; im Zimmer geht es mit der Dusche recht gut.
Jeden Abend gegen 19 Uhr erhalte ich eine Thrombosespritze, entweder in den Bauch oder in die Oberschenkel. Ich sehe bei der Entlassung aus wie ein Junkie. Ich mache gegen 23 Uhr das Licht aus und bin um 6 wach, schlafe auch gut, sieht man von der Unbequemlichkeit der Schläuche und Kabel ab. Der Blasenkatheder wird nach einigen Tagen gezogen, der Schmerzkatheder einen Tag später. Beides ist kaum zu spüren. Der Beutel mit der Drainage bleibt mir erhalten, er ist auch ständig gut gefüllt und wird in rhythmischen Abständen geleert. Es ist eine gelbe, durchsichtige Flüssigkeit mit einem weißen Streifen, seltsam und nicht gerade ästhetisch. Am Samstag wird angedeutet, ich könne am Montag entlassen werden, mit der Einschränkung, der Entlassungsbefund ist positiv. Der Drainagebeutel wird am Abend zuvor abgehängt, wobei ich mir überlege, wo die Tropfen jetzt hingehen.

Entlassung und Nachsorge

In der Chirurgie erhalte ich den Arztbrief, den Nachsorgekalender und Rezepte für: Thrombosespritzen, Antibiotica Tabletten für 5 Tage, Schmerzmittel (obwohl ich in der Klinik nie welche genommen habe).
Es sind 10 € je Tag zu bezahlen sowie die Telefonkarte abzugeben, dann geht es nach Hause. Bei der Entlassung erhalte ich einen „Nachsorgekalender“, den ich bei späteren ärztlichen Untersuchungen vorlegen muss - die Daten werden in einem staatlichen Krebsregister gespeichert - den Ausweis des Ports sowie den Arztbericht.

Rehabilitation (Medizinisch)

Es wird im Gespräch zwischen Chirurg, Onkologen und mir der Begriff Reha nach der OP erwähnt, dabei kommen wir zu dem Schluss, dass eine Reha nicht nötig ist, da ich den erforderlichen körperlichen Aufbau, nämlich viel Bewegung und ausgewogenes Essen, auch zuhause erhalte. Ob nach der Chemotherapie eine Reha nötig ist, wird sich dann herausstellen. Beide Ärzte - ich ohnehin - teilen die Patienten in zwei Gruppen:
(a) Solche, die eine Reha vehement ablehnen, da sie die Krankheitsgeschichten und Lebensläufe, welche ihnen von den anderen Teilnehmern aufgedrängt werden und denen sie nur schwer entfliehen können, nicht hören wollen.
(b) Solche, die sich darüber freuen drei Wochen lang umsorgt zu werden und es dabei genügend Zuhörer für ihre Krankheiten - aktuelle und vergangene - gibt. Da in einer stationären Gruppe bis zu 15 Personen sein können und jeder davon mindestens zwei Bekannte / Verwandte usw. hat, die alle Erfahrungen mit Krankheiten jeder Art haben, kann man bald 30 Krankheitsbilder bewerten.

Die Chemotherapie

Die Durchführung einer Chemotherapie war nötig um den Befall der Lymphknoten zu stoppen. Vorgesehen sind bei mir mehrmalige Behandlungen im Abstand von je zwei Wochen. Diese können sowohl stationär, wie auch ambulant durchgeführt werden. Stationär bedeutet für 48 Stunden in der Klinik. Es wurde gesagt, der erste Zyklus der Chemotherapie sollte in der Klinik ausgeführt werden.

Vorgehensweise

Bei der Chemotherapie wird das vom Onkologen ausgewählte Mittel - das Zystostatikum - über eine Vene in den Körper eingeführt. Das bedeutet...
(a) ...entweder wird jedes Mal eine Nadel gelegt, mit allen Nebentätigkeiten wie Beklopfen des Armes, stechen und das Risiko des langsamen Eintropfens. Bei hektischen Bewegungen kann das Tropfen sehr langsam werden oder ganz aufhören.
(b) ...oder es wird am Schlüsselbein ein Port gelegt, in den bei Bedarf die Nadel problemlos eingestochen wird. Den Port kann man sich als kleine Dose vorstellen, sie hat auf einer Seite einen Kunststoffschlauch, der in die Vene geschoben wird. Auf der anderen Seite ist eine Art Membran, in welche die Nadel mit der Infusion eingestochen wird.  Dadurch ist die Geschwindigkeit des Eintropfens definiert und mit 1 ½ bis 2 Stunden definitiv abgetan, wobei die Geschwindigkeit abhängig ist von dem Medikament und nicht verallgemeinert werden kann.
Ich lasse mir einen Port legen, da mir das ständige Einstechen nicht mehr frommt und mir die zeitliche Problematik des Eintropfens hinlänglich bekannt ist. Das Legen des Ports ist ein ambulanter Eingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird.  
Die Chemotherapie sollte etwa 6 Wochen nach der Operation des Tumors sein. Der Zeitpunkt zum Legen des Ports erfolgte bei mir zwei Tage vor Beginn der Chemotherapie.
Der erste Zyklus der Chemotherapie war stationär in der Klinik und entsprach im technischen Ablauf dem der Bluttransfusion, nur dass er sich über zwei Tage erstreckte und anstelle der Blutkonserven das Zytostatikum eingeleitet wird. Mühselig ist das Schlafen mit den Schläuchen und es fehlt die Privatheit.
Die folgenden Zyklen sind ambulant und haben folgenden Ablauf. Es beginnt immer mit der Blutabnahme. Geprüft werden bei mir die Werte von Leber, Niere, Entzündungen, Leukozyten.
Die Zyklen finden in der Praxis des Onkologen statt, in einem großen, hellen Raum mit 4 Liegen und zwei Sesseln. Die Dauer der Infusion wird mit etwa 2 Stunden angegeben. Ich werde auf eine der Liegen komplimentiert, neben mir ein fahrbares Tischchen mit der elektromechanischen Infusionsapparatur. Die übrigen Stühle sind durch Patienten belegt. Der Infusionsschlauch wird am Port angestöpselt, nun wird eine Kochsalzlösung zur Spülung eingepresst, dann kommt eine Infusion gegen etwaige Übelkeit, sie dauert etwa ½ Stunde, danach beginnt die eigentliche Infusion mit dem eigentlichen Medikament, sie dauert knapp eine Stunde. Die Helferin kann die Dauer des Vorgangs am durchsichtigen Beutel - auf dem eine Mensur aufgedruckt ist - abschätzen. Ein Verstopfen wird durch aufdringliches Piepsen gemeldet. Nach dem Abschluss bekomme ich eine Pumpe umgehängt. Sie ist ein durchsichtiger Zylinder, in ihm ist eine dünne Röhre, welche über einen Schlauch mit dem Port verbunden ist. Der Schlauch hat eine Klemme zum Umstöpseln von dem stationären Schlauch zur am Körper getragenen Pumpe. Der Zylinder ist mit dem Medikament gefüllt und steht unter Druck, erkennbar ist das an einer Art Ballon, durch den die Röhre führt. Der von der Apotheke aufgebrachte Druck presst die Infusion langsam - genauer in etwa 48 Stunden - durch die Röhre in den Schlauch und damit in den Körper. Der Ballon um die Röhre ist anfangs prall gefüllt und wird mit der Zeit immer schlaffer, bis er sich an die Röhre anschmiegt. An der Form des Ballons können Arzt oder Helferin die noch verbleibende Dauer des Einflößens abschätzen.
Das tägliche Leben mit der Pumpe ist gewöhnungsbedürftig, wegen des dünnen Schlauchs, während des Tags stört er nur mäßig, jedoch beim Duschen und noch mehr beim Schlafen ist er hinderlich. Am dritten Tag werde ich auf 16 Uhr einbestellt und die Pumpe wird abgenommen, außerdem erhalte ich einen Zettel mit den weiteren Terminen. Diese werden mit der Apotheke abgestimmt, da das Zytostatikum nur begrenzt haltbar ist und die Lagerung hinsichtlich der Temperatur Vorschriften unterliegt.

Erholungsphase

Nach Ende der Chemotherapie folgen Nachuntersuchungen von Internist und Onkologe um die Ergebnisse zu prüfen und zu dokumentieren und ein etwaiges weiteres Vorgehen festzulegen. In dem Zusammenhang kann auch der Begriff einer Rehabilitation erneut fallen.

Veränderungen bzw. Nebenwirkungen

Während der Chemotherapie können - müssen aber nicht - Veränderungen im körperlichen wie auch im seelischen Bereich auftreten. Beider Auftreten sind stark abhängig von der individuellen Konstitution, dem Schmerzempfinden, der Neigung zur Hypochondrie und dem Umstellen der Lebens- wie Ernährungsgewohnheiten des Betroffenen. Man sollte deshalb nicht jede Störung des Wohlbefindens auf die Chemotherapie zurückführen. Die sich aus der Erfahrung herauskristallisierten Nebenwirkungen sind in den Medien verbreitet, wobei hier die Interessen von Pharmaindustrie, Apotheken, Ärzten und Vertreter der Naturheilkunde einfließen.

 

München, November 2016.

 

Kommentare   

+4 #1 TumorWaltraud K. 2016-12-19 16:55
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